Quartierpark Thurgauerstrasse / Zürich

Wettbewerbsbeitrag 2018, in Zusammenarbeit mit Angelika Mangold

Der Quartierpark von Morgen:
Sinn, Partizipation, Autonomie, Natur!

TG Park Urschreber

INSPIRATION RIEDLANDSCHAFT
Das vorliegende Gestaltungskonzept basiert A) auf den Qualitäten der Ur-Landschaft im Planungsgebiet und findet B) eine Antwort darauf, wie diese naturlandschaftlichen Qualitäten heute für uns Menschen Sinn stiften und unsere Bedürfnisse befriedigen können. Der Schlüssel für einen funktionierenden Freiraum liegt nicht nur in der Qualität der Gestaltung, sondern auch in der Beziehung der Menschen zum Ort. Damit sich diese entwickeln und festigen kann, müssen Menschen ihre grundlegenden Bedürfnisse und Sehnsüchte am Ort stillen können.

Wie die Schrebergärtnerinnen brauchen auch die zukünftigen Nutzerinnen das Erlebnis von SINN, PARTIZIPATION, AUTONOMIE, der EIGENEN KOMPETENZ und der „MEHR ALS MENSCHLICHEN“ NATUR (vgl. pro Eval, 2014: „Menschenbild und Wirkfaktoren“). Dabei handelt es sich um Ur-Bedürfnisse, die bei allen Menschen gleich sind.

TG Park Gehr_Ferdinand_Riedlandschaft1

Riedlandschaft, Ferdinand Gehr (1896-1996)

Das Gestaltungskonzept
Welche Natur-Potentiale sind diesem Ort immanent?
Die vorliegende Gestaltung basiert auf einem Leitbild, das sich an den Qualitäten und Charakteristika der ursprünglichen Landschaft vor Ort orientiert und diese so freilegt und präsentiert, dass sie in der städtischen Gegenwart Sinn machen. Die Urlandschaft des Planungsgebietes ist bestimmt durch eine eiszeitliche Moräne. Das charakteristische Geschiebematerial der Moräne bildet hier einen leichten Hügel aus, der Richtung Süden ausläuft und in eine feuchte Riedebene übergeht. Die Gegensätze dieser Landschaft und die Vielfalt, die sich dadurch bei Vegetation, Atmosphäre und Terrain ergeben bestimmen das vorliegende Gestaltungskonzept.

Schema Moräne Freiraumtypen

Konzeptidee, Moränenpark

Freiraumtypologie
Ein großzügiger Quartierpark entsteht, dessen Stärke in der Vielfalt und Ausdruckskraft seiner Vegetation und dem damit einhergehenden ökologischen Potential besteht. Der Park übernimmt die Bewegung und Rhytmik seiner Moräne im Untergrund. Er fällt also von Norden nach Süden beständig ab und stößt dann mit einer bewegten und weichen Riedlandschaft bis an die Thurgauerstrasse vor.

Am Hang bestimmen große Parkgehölze die Atmosphäre. Ahorn, Linde, Eiche, Tulpenbaum u.a. werden als Solitäre und in Verbänden zu Charakterbäumen erzogen und erzeugen die notwendigen Gefühle von Tiefe, Verwurzelung und Geborgenheit. In der Ebene sorgen Pioniergehölze wie Birke, Pappel, Weide und Sumpfeiche für eine leichtere und spielerische Stimmung. Sie wachsen rasch, bilden lichte Kronen und passen mit ihrem sanften Blätterrascheln zur Umtriebigkeit (Schule, Wohnen, Gewerbe) im unteren Bereich des Parks. Diese bewegte Zone ist durchdrungen von typischen Riedflächen, in denen das abfließende Wasser versickert oder aufgestaut wird. Mit Sitzmauern aus Stampfbeton, die als zusätzliche ökologische Nischen dienen, bilden diese Flächen kleine feucht-erdige Rückzugsgebiete. Sie sind nach Moos duftende Inseln im alltäglichen „Verkehr“, die unsere Sinne herausfordern und vielen wertvollen Tier- und Pflanzenarten ein Habitat bieten. Hier gedeihen zum Beispiel die blaue und die gelbe Iris oder das weiße Wollgras. Es trinken Libellen und Wildbienen am Wasser und wenn es regnet, hören wir es blubbern und tropfen.

Im Park gibt es sowohl nutzungsoffene, als auch definierte Bereiche. Die strukturierte Ried-Insel-Landschaft ist ein „Spielplatz“ für Alt und Jung, der mannigfaltige Formen der Aneignung zulässt. Ebenso ermöglicht dies die Hangwiese mit ihrer Weitläufigkeit und den Solitärgehölzen. Das Rasen-Spielfeld dagegen ist wie der Bereich um das Schützenhaus stärker in seiner Nutzung definiert. An der Charakteristik des Terrains orientiert sich auch die atmosphärische Gestaltung der einzelnen Bereiche. Ruhig, offen und mit viel Bezug zum Himmel zeigt sich der nördliche Bereich des Parks. Belebter, bunter und erdiger definiert sich die Rasen-Spielfläche und der Südbereich mit der Riedlandschaft. Die vor gesehene Beleuchtung unterstreicht diesen Effekt auch bei Nacht. In den ruhigen Bereichen im Norden, z.B. auf dem Wiesenhang wird entsprechend wenig bis gar kein Licht verwendet. Auch im gut beleuchteten südlichen Bereich wird auf die Flora und Fauna in (ausgewählten) Riedinseln Rücksicht genommen. Um der landschaftlichen Kraft Rechnung zu tragen, wird die Infrastruktur betont in den Hintergrund gerückt. Mobiliar wie Bänke, Abfalleimer, Velobügel oder Leuchten fallen schlicht und unauffällig aus und werden in die Landschaft integriert. Das öffentliche WC und das Lager für Unterhalt werden im Schützenhaus untergebracht und die Elektroanschlüsse für Veranstaltungen in die Sitzmauern integriert. Der Geräteraum für den Schulsport wird in die Belvedere-Mauer im Norden des Spielfeldes integriert. Der Bodenbelag aus Terraton unterstreicht die erdige und lebendige Charakteristik des Südens. Stütz- und Sitzmauern werden aus Stampfbeton kombiniert mit vorhandenen recyclebaren Materialien gestaltet.

Fläche200

Quartierpark Thurgauerstrasse

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